Junger Calvados – Blind – Tasting

Calvados, das flüssige Kulturgut der Normandie. Der Ausgangsstoff, der Apfel, wird vor Ort angebaut. Aber um Calvados zu erhalten muss zunächst der Cidre produziert werden. Dieser wird dann teilweise kurzzeitig gelagert (bis zu 1 Jahr), bevor er dann zum Calvados gebrannt wird.

In diesem Tasting, haben wir uns auf jungen Calvados konzentriert. Bei vielen Produkten ist es gar nicht so einfach das genaue Alter zu ermitteln. Die Hersteller halten sich dabei häufiger sehr bedeckt. Bis auf den Calvados von Roger Groult (3 Jahre) sucht man auf den Flaschen vergeblich nach Informationen zum Alter. Man kann aber von etwa 2 bis 3 Jahren für den Reifungsprozess ausgehen.

Die Produkte, bei welchen man etwas mehr die Reifung im Eichenfass geschmacklich festhalten kann, sind Boulard und der eben genannte Roger Groult. Das hier getestete Produkt von Boulard ist eine sogenannte Solage, sprich eine Vermählung verschiedener Calvados, die auch verschieden lang gereift sein können. Und der Calvados von Roger Groult wird mit 3 Jahren Fasslagerung ausgezeichnet.

Viel häufiger findet man hingegen die Herkunftsbezeichnung auf der Flasche. Das Herstellungsgebiet des Calvados wird in 3 Gebiete unterteilt. Das bekannteste Gebiet, welches von vielen Personen auch das höchste Ansehen genießt, ist die AOC Calvados Pays d’Auge. Da ich allerdings der Meinung bin, dass man die Produktqualität nicht zu strikt von der Herkunft ableiten sollte, werde ich dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

Sammelt man alle Informationen zu den einzelnen Produkten sehen sie auf dem Papier alle sehr ähnlich aus. Alle kommen mit 40 Vol-% daher, haben das Eichenfass nur für begrenzte Zeit von innen gesehen und kommen zum überwiegenden Teil aus der gleichen Calvados Appellation. Doch geschmacklich gibt es große Differenzen. Manche Produkte weisen neben Apfel noch weitere Fruchtaromen auf, manche sind eher auf der säuerlichen, andere eher auf der süßen Seite und einzelne schon fast trocken wie herb. Fehlaromen die vermutlich ungewünscht sind, sind mir in einzelnen Fällen leichte Papiernoten aufgefallen. Aber auch die Produkte waren teilweise großartig, soweit sie die alkoholische Schärfe gut eingebunden hatten.

Getestet wurden folgende Produkte im preislichen Bereich von 18 bis 50 Euro pro Liter.

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Die Bewertung erfolgte über Punkte zwischen 1 und 10 – Je höher die Wertung, desto besser das Produkt.

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Die Auflösung:

Probe 1: Lecompte Originel – 40%

Probe 2: Pâpidoux Fine – 40%

Probe 3: Ribaude – 40%

Probe 4: Boulard – 40%

Probe 5: Drouin Fine – 40%

Probe 6: Dauphin Fine – 40%

Probe 7: Roger Groult – 40%

Probe 8: Père Magloire Fine – 40%

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Die Einzelwertungen der Tester:

Besonders niedrige Wertungen wurden in Rot markiert. In Grün die besonders Hohen.

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Die Durchschnittswertungen:

Je höher die Wertung, desto besser.

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Die Preis/Leistung-Berechnung:

Für die preisbewussten Trinker eine Ermittlung des Preis/Leistung Aspekts. Die Werte werden folgendermaßen berechnet: (Durchschnittswertung)^2 geteilt durch den Straßenpreis.

Je höher der ermittelte Wert, desto besser.

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Das persönlich beste Produkt im Test:

Das folgende Kreisdiagramm zeigt die Häufigkeit auf, wie oft das jeweilige Produkt von den Testern als das beste Produkt im Tasting bewertet wurde. So erhält das Produkt von z.B. Drouin lediglich 5%, da nur 1 einziger Tester ihn als das für ihn beste Produkt angesehen hat.

Hinweis: Folgende Produkte wurden von keinem Tester als das beste Produkt angesehen und tauchen daher auch nicht im Diagramm auf: Lecompte Originel und Dauphin Fine.

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Kleines Fazit:

Ein sehr angenehmes Tasting auf das ich mich sehr gefreut hatte und welches mich nicht enttäuscht hat. Calvados, speziell junger Calvados ist meines Erachtens eine deutlich unterschätzte Spirituose. Es gibt sogenannte Kenner und Hersteller, welche die Meinung vertreten, dass man dem Calvados viele Jahre im Fass geben muss, bis er wirklich gut ist. Ich will auf diesen Zug nicht aufspringen und habe auch jungen Calvados für mich entdeckt. Er vereint eine lebendige Frucht mit teilweise knackiger Säure die durch eine angenehme Süße abgepuffert wird. Die kurze Lagerung rundet die Ecken und Kanten des rauen Brandes etwas ab ohne aber die Apfelaromen zu verdrängen. Junger Calvados macht Spaß!

Zu den Produkten im Test kann man grundsätzlich erst einmal sagen, dass alle gut und brauchbar sind. Es sind keine Totalausfälle dabei. Allerdings sollte man die Produkte nicht alle über einen Kamm scheren, daher ein paar Worte zu folgenden Produkten:

Pâpidoux Fine und Père Magloire:

Diese beiden Produkte haben die höchsten Durchschnittsbewertungen erhalten und stehen auch im Preis/Leistungs-Verhältnis super da. Allerdings muss man dazusagen, dass es hierbei den Trinkern auch etwas leicht gemacht wird. Es sind recht gefällige Brände die mit einer Süße daherkommen die Fehler im Brand glattbügeln.

Der Pâpidoux ist leider geschmacklich etwas verschlossen, kommt  geruchsmäßig neben Apfel noch viel Birne heraus ist am Gaumen davon nicht mehr viel zu schmecken. Das kann auch an der alkoholischen Schärfe liegen, welche meiner Meinung nach bei diesem Produkt nicht besonders schön eingebaut ist.

Dahingegen kommt der Père Magloire geruchlich wie ein leicht säuerlicher Weißwein/Apfelwein daher, baut im Nosingglas ordentliche Kirchenfenster und schmeichelt den Gaumen des Trinkers mit einer ordentlichen Fruchtsüße. Lediglich geringe Papieraromen trüben ein wenig das Gesamtbild. Aber Achtung, wer einen knackig trockenen Calvados ohne Schnörkel sucht wird mit dem Père Magloire auf keinen Fall glücklich! Doch wer gerne Cidre trinkt, der wird diesen Calvados lieben.

Lecompte, Ribaude, Dauphin und Drouin:

Wem die beiden erst genannten Brände zu süß daherkommen, sollte mal einen Blick auf diese 4 Produkte werfen. Der Lecompte kommt mit viel Frucht daher, besonders im Geruch sind noch einige andere Fruchtaromen zu finden. Geschmacklich mangelt es an Apfelintensität am Anfang, der kommt zum Ende stärker heraus. Der Ribaude ist aromentechnisch vielleicht nur Mittelfeld, aber er überrascht mit einer coolen, spritzigen Säure. Der Dauphin ist etwas zurückhaltender aber solide, ich konnte nur leider kein Wiedererkennungsmerkmal in ihm finden. Für den sanften Einstieg sicherlich nicht verkehrt. Der Drouin ist frisch, nicht besonders komplex und ist ebenso lecker wie brauchbar. Über die kleinen Fehlaromen die wieder an Zellstoff erinnern tröstet es hinweg, dass es den Drouin in der 200ml Flasche gibt.

Boulard und Roger Groult:

Mit diesen beiden Produkten könnten diejenigen glücklich werden, die etwas mehr Fassaromen im Glas haben wollen, ohne aber auf die Frucht zu verzichten. Beide Produkte kommen ohne Süße aus, aber der Calvados von Roger Groult treibt es dabei beinahe auf die Spitze: trockener Apfel, nahezu keine Säure, erst recht keine Süße und etwas bittere Birne in der Nase. Dahingegen ist der Boulard mit Apfel-Pur-Aroma in der Nase ausgestattet. Leider kommen bei beiden Produkten einige Fehler im Geschmack stärker heraus, was auch mit der nicht vorhandenen Süße zusammenhängen kann.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen Testern vom Cocktails&Dreams Forum die an diesem Tasting teilgenommen haben. Testet und Experimentiert weiter. Viel Spaß dabei.

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Wichtige Anmerkungen zu den Tastings:

  • Die Tastings beschäftigen sich jeweils nur mit einem Teil der Produkte, welche auf dem Markt angeboten werden.
  • Die Wertungen geben den persönlichen Geschmack der Tester wieder. Diese Ergebnisse sind nicht als allgemein gültig anzusehen, schließlich hat jeder einen ganz persönlichen Geschmack.
  • Die Wertungen sind ohne Einwirkung von außen entstanden. Alles wurde komplett “blind” und ohne Bevorzugung verkostet und bewertet.
1 Comment
Februar 16, 2012 in Allgemein

One Response

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