Tastings-Blog

Qualität kann man schmecken

Gin – Blind – Tasting

Gin, nur ein Wacholderschnaps? Keineswegs; Gin kann sehr vielfältig sein und kann geschmacklich in verschiedenste Richtungen gehen. Darüber hinaus sind die Hersteller in Sachen Gin sehr aktiv – experimentieren, destillieren und bringen in letzter Zeit sehr viele neue Produkte auf den Markt; zu viele?

In diesem Tasting werden Gins blind verkostet, die größtenteils sehr neu am Markt sind. Als Gegenpole dienen der klassische Gin von The Duke, welcher bereits fest etabliert ist in der Barszene und der Gordon’s Gin mit 37,5 Vol-% als günstige Alternative.

Hinweis: Die hier verkosteten Gins gehen geschmacklich in verschiedene Richtungen, genauso wie auch die am Markt erhältlichen Gins. Sie können nicht immer direkt miteinander verglichen werden und lassen sich erst recht nicht alle in eine geschmackliche Schublade stecken. Bei dem Tasting ging es mehr darum einzelne, potentiell interessante Produkte herauszugreifen und den Testern näher zu bringen.

Getestet wurden folgende Produkte im preislichen Bereich von 16 bis 55 Euro pro Liter.

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Die Bewertung erfolgte über Punkte zwischen 1 und 10 – Je höher die Wertung, desto besser das Produkt.

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Die Auflösung:

Probe 1: The Duke – Munich Dry Gin – 45%

Probe 2: GINMG – London Dry Gin – 40%

Probe 3: Berry Bros & Rudd No.3 – London Dry Gin – 46%

Probe 4: Hayman’s 1850 Reserve Gin – Cask Rested (Batch No. 1) – 40%

Probe 5: Gin Mare – Mediterranean Gin – 42,7%

Probe 6: Gordon’s – London Dry Gin – 37,5%

Probe 7: Sloane’s – Dry Gin – 40%

Probe 8: ish – London Dry Gin – 41%

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Die Einzelwertungen der Tester:

Besonders niedrige Wertungen wurden in Rot markiert. In Grün die besonders Hohen.

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Die Durchschnittswertungen:

Je höher die Wertung, desto besser.

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Die Preis/Leistung-Berechnung:

Für die preisbewussten Trinker eine Ermittlung des Preis/Leistung Aspekts. Die Werte werden folgendermaßen berechnet: (Durchschnittswertung)^2 geteilt durch den Straßenpreis.

Je höher der ermittelte Wert, desto besser.

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Das persönlich beste Produkt im Test:

Das folgende Kreisdiagramm zeigt die Häufigkeit auf, wie oft das jeweilige Produkt von den Testern als das beste Produkt im Tasting bewertet wurde. So erhält das Produkt von z.B. GINMG lediglich 5%, da nur 1 einziger Tester ihn als das für ihn beste Produkt angesehen hat.

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Kleines Fazit:

Es ist nicht immer Gold was glänzt! Und günstige, von manchen Testern verteufelte, Produkte müssen nicht immer so schlecht sein wie ihr Ruf!

Erst einmal ist es sehr erfreulich, dass jeder Gin seine Liebhaber gefunden hat. Darüber hinaus wird deutlich, dass man mit der Wahl zu einem besonders hochpreisigem Gin nicht immer die richtige Wahl trifft.

Im Folgenden will ich ein paar wenige Worte zu jedem Gin schreiben. Zuvor aber noch ein Hinweis für alle die sich demnächst wieder mit neuen Ginsorten eindecken wollen:

Es kommen in letzter Zeit immer mehr neue Gin-Produkte auf den Markt. Viele von ihnen im hochpreisigen Segment. Diese Premium-Gins können teilweise ein Offenbarung sein und spiegeln die Experimentierlust einiger Destillateure wieder. Andere Produkte hingegen entsprechen lediglich dem gemeinen Gin und zeichnen sich meines Erachtens nur durch ihre Austauschbarkeit und ihren hohen Preis aus. Ein Vergleich mit dem Wodka-Hype würde dem Gin nicht gerecht, aber Fakt ist: Gin liegt im Trend und so befinden sich teilweise durchschnittliche Produkte in schönen Flaschen in den Verkaufsregalen, die aber mit Verkaufspreisen ausgezeichnet sind, die sich mit der Qualität nur schwer erklären lassen.

Jetzt aber ein paar Worte zu den getesteten Gins:

The Duke: Hat nur überraschend durchschnittlich abgeschnitten. Er bringt sehr viel Kraft mit, die sich erst im Cocktail richtig austoben kann. Eventuell hat die Stärke des Gins einige Tester verunsichert. Geschmacklich ist der Duke eine Wacholderbombe, wenig Spielereien und darf zudem das Bio-Siegel tragen.

GINMG: Hat im Tasting mit 4,4 Punkten noch überraschend passabel abgeschnitten. Ich würde diesen Gin weder kaufen noch empfehlen. Zudem ist er meiner Meinung nach geschmacklich austauschbar, hier gibt es bessere Produkte, allerdings muss man für diese dann auch etwas tiefer in die Tasche greifen.

Berry Bros&Rudd No.3: Ein Gin, der neben Wacholder und Koriander noch deutlich mehr bietet. Er ist unglaublich weich, obwohl er mit 46% der stärkste Gin im Testfeld war. Dazu findet man noch Zitrus und Gewürzaromen. Ein interessanter Gin, den der Ginliebhaber auch pur trinken kann, allerdings bei der Verwendung in Cocktails ist aufzupassen, dass die Mengenverhältnisse und Zutaten richtig gewählt werden, sonst könnten viele feine Aromen des Gins schnell untergehen.

Hayman’s Reserve: Das besondere an diesem Gin ist seine Fasslagerung. Er soll für rund 1 Monat das Fass von innen gesehen haben, was allerdings auf die Farbe und den Geschmack leider keinen nennenswerten Einfluss hatte. Wenn das Ginregal daheim noch recht leer ist kann man sich von diesem Gin ruhig mal eine Flasche kaufen, aber wer schon eine gute Auswahl daheim hat sollte eventuell zu einem anderen Gin greifen. Der Hayman’s ist ein simpler klassischer Gin, der zwar etwas schwer im Magen liegt aber dafür sonst ordentlich gemacht ist. Leider fehlt es auch ihm an besonderem Charakter. Wäre der Gin etwas länger im Fass geblieben hätten wir hier eventuell ein deutlich interessanteres Produkt.

Gin Mare: Ein Gin für den Sommer. Sehr floral mit viel Basilikum, etwas Kardamom, weniger Wacholder. Ein sehr interessanter Gin, der aus der Masse heraussticht. Im Gegensatz zu Produkten wie G’Vine ist der Wacholder noch so präsent, dass man von Gin sprechen kann. Mir gefällt er, aber aufgrund seiner fragilen Aromen muss man beim Mixen etwas aufpassen. Ob es seinem hohen Preis wert ist muss jeder selber entscheiden.

Gordon’s: Liest man online nicht viel Gutes über ihn, hat er in diesem Tasting doch überzeugen können. Es ist ein ordentlicher Gin ohne große Fehler, der gut die Kehle runter rinnt. Aber Achtung: Auch wenn er pur ganz ordentlich ist, fehlt es ihm im Cocktail oftmals an Intensität und er muss höher dosiert werden. Doch zeigt dieses Tasting wieder einmal, dass günstige Supermarktprodukte nicht immer so schlecht sein müssen wie ihr Ruf in manchen Online-Communities.

Sloane’s: Ein ausgeglichener Gin auf der klassischen Wacholderseite. Recht warm, aber nicht so stark auf der Brust wie z.B. der Duke Gin. Ordentlich, brauchbar, kann man sich kaufen.

ish: Eigentlich die gleiche Richtung wie der Sloane’s mit ein paar leichten Kräuternoten und der Alkohol ist schöner eingebunden. Kostet dann aber auch gleich das doppelte.

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Danksagungen:

Wir bedanken uns sehr herzlich für die Unterstützung beim Spirituosen-Online-Shop Barfish.

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Wichtige Anmerkungen zu den Tastings:

  • Die Tastings beschäftigen sich jeweils nur mit einem Teil der Produkte, welche auf dem Markt angeboten werden.
  • Die Wertungen geben den persönlichen Geschmack der Tester wieder. Diese Ergebnisse sind nicht als allgemein gültig anzusehen, schließlich hat jeder einen ganz persönlichen Geschmack.
  • Die Wertungen sind ohne Einwirkung von außen entstanden. Alles wurde komplett “blind” und ohne Bevorzugung verkostet und bewertet.

Junger Calvados – Blind – Tasting

Calvados, das flüssige Kulturgut der Normandie. Der Ausgangsstoff, der Apfel, wird vor Ort angebaut. Aber um Calvados zu erhalten muss zunächst der Cidre produziert werden. Dieser wird dann teilweise kurzzeitig gelagert (bis zu 1 Jahr), bevor er dann zum Calvados gebrannt wird.

In diesem Tasting, haben wir uns auf jungen Calvados konzentriert. Bei vielen Produkten ist es gar nicht so einfach das genaue Alter zu ermitteln. Die Hersteller halten sich dabei häufiger sehr bedeckt. Bis auf den Calvados von Roger Groult (3 Jahre) sucht man auf den Flaschen vergeblich nach Informationen zum Alter. Man kann aber von etwa 2 bis 3 Jahren für den Reifungsprozess ausgehen.

Die Produkte, bei welchen man etwas mehr die Reifung im Eichenfass geschmacklich festhalten kann, sind Boulard und der eben genannte Roger Groult. Das hier getestete Produkt von Boulard ist eine sogenannte Solage, sprich eine Vermählung verschiedener Calvados, die auch verschieden lang gereift sein können. Und der Calvados von Roger Groult wird mit 3 Jahren Fasslagerung ausgezeichnet.

Viel häufiger findet man hingegen die Herkunftsbezeichnung auf der Flasche. Das Herstellungsgebiet des Calvados wird in 3 Gebiete unterteilt. Das bekannteste Gebiet, welches von vielen Personen auch das höchste Ansehen genießt, ist die AOC Calvados Pays d’Auge. Da ich allerdings der Meinung bin, dass man die Produktqualität nicht zu strikt von der Herkunft ableiten sollte, werde ich dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

Sammelt man alle Informationen zu den einzelnen Produkten sehen sie auf dem Papier alle sehr ähnlich aus. Alle kommen mit 40 Vol-% daher, haben das Eichenfass nur für begrenzte Zeit von innen gesehen und kommen zum überwiegenden Teil aus der gleichen Calvados Appellation. Doch geschmacklich gibt es große Differenzen. Manche Produkte weisen neben Apfel noch weitere Fruchtaromen auf, manche sind eher auf der säuerlichen, andere eher auf der süßen Seite und einzelne schon fast trocken wie herb. Fehlaromen die vermutlich ungewünscht sind, sind mir in einzelnen Fällen leichte Papiernoten aufgefallen. Aber auch die Produkte waren teilweise großartig, soweit sie die alkoholische Schärfe gut eingebunden hatten.

Getestet wurden folgende Produkte im preislichen Bereich von 18 bis 50 Euro pro Liter.

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Die Bewertung erfolgte über Punkte zwischen 1 und 10 – Je höher die Wertung, desto besser das Produkt.

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Die Auflösung:

Probe 1: Lecompte Originel – 40%

Probe 2: Pâpidoux Fine – 40%

Probe 3: Ribaude – 40%

Probe 4: Boulard – 40%

Probe 5: Drouin Fine – 40%

Probe 6: Dauphin Fine – 40%

Probe 7: Roger Groult – 40%

Probe 8: Père Magloire Fine – 40%

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Die Einzelwertungen der Tester:

Besonders niedrige Wertungen wurden in Rot markiert. In Grün die besonders Hohen.

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Die Durchschnittswertungen:

Je höher die Wertung, desto besser.

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Die Preis/Leistung-Berechnung:

Für die preisbewussten Trinker eine Ermittlung des Preis/Leistung Aspekts. Die Werte werden folgendermaßen berechnet: (Durchschnittswertung)^2 geteilt durch den Straßenpreis.

Je höher der ermittelte Wert, desto besser.

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Das persönlich beste Produkt im Test:

Das folgende Kreisdiagramm zeigt die Häufigkeit auf, wie oft das jeweilige Produkt von den Testern als das beste Produkt im Tasting bewertet wurde. So erhält das Produkt von z.B. Drouin lediglich 5%, da nur 1 einziger Tester ihn als das für ihn beste Produkt angesehen hat.

Hinweis: Folgende Produkte wurden von keinem Tester als das beste Produkt angesehen und tauchen daher auch nicht im Diagramm auf: Lecompte Originel und Dauphin Fine.

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Kleines Fazit:

Ein sehr angenehmes Tasting auf das ich mich sehr gefreut hatte und welches mich nicht enttäuscht hat. Calvados, speziell junger Calvados ist meines Erachtens eine deutlich unterschätzte Spirituose. Es gibt sogenannte Kenner und Hersteller, welche die Meinung vertreten, dass man dem Calvados viele Jahre im Fass geben muss, bis er wirklich gut ist. Ich will auf diesen Zug nicht aufspringen und habe auch jungen Calvados für mich entdeckt. Er vereint eine lebendige Frucht mit teilweise knackiger Säure die durch eine angenehme Süße abgepuffert wird. Die kurze Lagerung rundet die Ecken und Kanten des rauen Brandes etwas ab ohne aber die Apfelaromen zu verdrängen. Junger Calvados macht Spaß!

Zu den Produkten im Test kann man grundsätzlich erst einmal sagen, dass alle gut und brauchbar sind. Es sind keine Totalausfälle dabei. Allerdings sollte man die Produkte nicht alle über einen Kamm scheren, daher ein paar Worte zu folgenden Produkten:

Pâpidoux Fine und Père Magloire:

Diese beiden Produkte haben die höchsten Durchschnittsbewertungen erhalten und stehen auch im Preis/Leistungs-Verhältnis super da. Allerdings muss man dazusagen, dass es hierbei den Trinkern auch etwas leicht gemacht wird. Es sind recht gefällige Brände die mit einer Süße daherkommen die Fehler im Brand glattbügeln.

Der Pâpidoux ist leider geschmacklich etwas verschlossen, kommt  geruchsmäßig neben Apfel noch viel Birne heraus ist am Gaumen davon nicht mehr viel zu schmecken. Das kann auch an der alkoholischen Schärfe liegen, welche meiner Meinung nach bei diesem Produkt nicht besonders schön eingebaut ist.

Dahingegen kommt der Père Magloire geruchlich wie ein leicht säuerlicher Weißwein/Apfelwein daher, baut im Nosingglas ordentliche Kirchenfenster und schmeichelt den Gaumen des Trinkers mit einer ordentlichen Fruchtsüße. Lediglich geringe Papieraromen trüben ein wenig das Gesamtbild. Aber Achtung, wer einen knackig trockenen Calvados ohne Schnörkel sucht wird mit dem Père Magloire auf keinen Fall glücklich! Doch wer gerne Cidre trinkt, der wird diesen Calvados lieben.

Lecompte, Ribaude, Dauphin und Drouin:

Wem die beiden erst genannten Brände zu süß daherkommen, sollte mal einen Blick auf diese 4 Produkte werfen. Der Lecompte kommt mit viel Frucht daher, besonders im Geruch sind noch einige andere Fruchtaromen zu finden. Geschmacklich mangelt es an Apfelintensität am Anfang, der kommt zum Ende stärker heraus. Der Ribaude ist aromentechnisch vielleicht nur Mittelfeld, aber er überrascht mit einer coolen, spritzigen Säure. Der Dauphin ist etwas zurückhaltender aber solide, ich konnte nur leider kein Wiedererkennungsmerkmal in ihm finden. Für den sanften Einstieg sicherlich nicht verkehrt. Der Drouin ist frisch, nicht besonders komplex und ist ebenso lecker wie brauchbar. Über die kleinen Fehlaromen die wieder an Zellstoff erinnern tröstet es hinweg, dass es den Drouin in der 200ml Flasche gibt.

Boulard und Roger Groult:

Mit diesen beiden Produkten könnten diejenigen glücklich werden, die etwas mehr Fassaromen im Glas haben wollen, ohne aber auf die Frucht zu verzichten. Beide Produkte kommen ohne Süße aus, aber der Calvados von Roger Groult treibt es dabei beinahe auf die Spitze: trockener Apfel, nahezu keine Säure, erst recht keine Süße und etwas bittere Birne in der Nase. Dahingegen ist der Boulard mit Apfel-Pur-Aroma in der Nase ausgestattet. Leider kommen bei beiden Produkten einige Fehler im Geschmack stärker heraus, was auch mit der nicht vorhandenen Süße zusammenhängen kann.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei allen Testern vom Cocktails&Dreams Forum die an diesem Tasting teilgenommen haben. Testet und Experimentiert weiter. Viel Spaß dabei.

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Wichtige Anmerkungen zu den Tastings:

  • Die Tastings beschäftigen sich jeweils nur mit einem Teil der Produkte, welche auf dem Markt angeboten werden.
  • Die Wertungen geben den persönlichen Geschmack der Tester wieder. Diese Ergebnisse sind nicht als allgemein gültig anzusehen, schließlich hat jeder einen ganz persönlichen Geschmack.
  • Die Wertungen sind ohne Einwirkung von außen entstanden. Alles wurde komplett “blind” und ohne Bevorzugung verkostet und bewertet.

Zingiba – Ingwer trifft Zitronengras?

Zingiba? Mit asiatischen Schriftzeichen? Ohne künstliche Aromen und Co? …kenne ich nicht… “Schmierige Verwandschaft”? …ahh ein neues Produkt von Kreuzritter, warum sagt man mir es denn nicht auch sofort.

Setzen wir uns mal hin und schauen, was das junge Unternehmen Kreuzritter dieses Mal gezaubert hat.

Auf der schönen Flasche liest sich folgendes:

“Zingiba – ein köstlicher Liqueur aus Ingwer- und Zitronengras-Auszügen und natürlichem Ingwer-Saft. Fruchtige Frische des Ingwer mit einer leichten typischen Schärfe verbinden sich mit dem citrus-floralen Aroma des Zitronengrases zu einem wunderbaren Aperitif.”

“Zingiba ist ein natürlicher Liqueur – selbstverständlich ohne jedwede künstlichen Zusatz- oder Aromastoffe.”

Klingt gut! Und nach meinen bisherigen, sehr positiven Erfahungen, mit Produkten von Kreuzritter habe ich jetzt umso mehr Lust darauf.

Also schnell die Flasche geöffnet und… mhh und da hat es leider schon den Korken zerlegt. Na gut, dann muss der Korkenzieher mir zur Seite stehen.

Schließlich ist die Flasche doch geöffnet und ich darf erste Eindrücke sammeln.

Erscheinungsbild: Farblich naturtrüber Apfelsaft mit einer Menge Schwebstoffe die sich gerne am Boden absetzen.

Geruch: Frischer, geiler Ingwer mit einer guten Schärfe und schöne Zitrusnoten. Zitronengras kann ich hier nicht eindeutig ausmachen.

Geschmack: In 3 Worten: Süß, Scharf, Sauer. Pur kann es überzeugen, der Ingwer spielt sich an der Süße vorbei in den Vordergrund und überlässt schließlich der Säure den Sieg, bis wieder die Süße ihren Platz einnimmt. Zu süß vielleicht?

Aber zunächst einmal alles stimmig, nur ist das Zitronengras wenig zu Wort gekommen. Hätte man es nicht als Bestandteil mit auf die Flasche geschrieben, ich hätte es nicht gefunden.

Wofür ist Zingiba nun zu gebrauchen? Meines Erachtens passt es in leichte, erfrischende Sommerdrinks. Doch hier tut sich ein Problem auf: Zingiba ist sehr süß. Und so lecker er pur ist, so ist er im Cocktail doch etwas schwach und muss stets mit ein paar Zentiliter mehr antreten um seinen Charakter nicht zu verlieren.

Meiner Ansicht nach ein leckeres, solides Produkt, welches aber noch etwas Luft nach oben hin hat. Ich hoffe das Potential wird ausgenutzt und die Rezeptur wird für die nächste Abfüllung etwas angepasst.

Das Produkt ist zwar erst ein paar Tage erhältlich, doch gibt es bereits zahlreiche Cocktailrezepte mit Zingiba. Eine schöne Auswahl dazu findet sich auf der Homepage von Kreuzritter: Rezeptideen

Ich habe mich dazu auch mal daran versucht. Herausgekommen ist folgendes:

Reuber Mix Test Nr. 2.5

2,5cl Saffron Gin
2,5cl Goldengel
1,5cl Zingiba
2,5cl frischer Zitronensaft
1/2 Eiweiß (Bio)
1 großes Blatt Salbei
10-15 große Rosmarinnadeln
4 dash Grapefruit-Bitter
4cl Soda

Zubereitung: Alles Flüssige (außer Soda) mit dem Milchaufschäumer vergewaltigen. Das Grünzeug und die Eisklumpen dazu – shaken – und Double Strain auf frische Eiswürfel. Soda dazu und noch ein paar mal vorsichtig umrühren. Garnitur: Salbei, Rosmarin was grad noch übrig ist… anklatschen und sich am Geruch erfreuen.

Fazit: Es macht Spaß mit Zingiba zu arbeiten, keine Frage. Nur sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das Produkt bereits eine ansprechende süße Kreation aus verschiedenen Zutaten ist. Pure Reinheit wird man hier nicht finden. Aber dafür einen Likör aus besten Zutaten der so gut wie jedem schmecken dürfte.

Zu beziehen ist Zingiba unter anderem über Barfish zum Preis von knapp über 20 Euro.